Chronik

Frauen-Ruder-Club Wannsee e.V. 1947 (FRCW) 

Die Geschichte des Frauen-Ruder-Clubs Wannsee e.V. beginnt in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg. Sehr bald nach den letzten Kriegstagen regte sich das Leben im zerstörten Berlin wieder. Da die Militärregierung Vereine jeglicher Art verboten hatte, wurde in Zehlendorf die "Rudergruppe Wannsee" gegründet. Auf dem Gelände des Schülerinnen-Bootshauses am Kleinen Wannsee fand ein regelmäßiger Ruderbetrieb statt.

1947 ließ die Militärregierung Vereinsgründungen wieder zu, die "Rudervereinigung Wannsee" entstand. Den anfänglichen Plan, die Ruderinnen der Rudergruppe ebenfalls aufzunehmen, ließ man bald wieder fallen. Dieser Entschluss veranlasste am 8. Mai 1947 Ruth Charlé, Lisa Dornbusch, Edith Nordhausen, Ilse Scheer-Lauterbach und Margarete Schmidt, selbst einen Verein zu gründen. Als erste Vorsitzende stand dem FRCW Ilse Brand vor.

Der Club konnte weder auf eine finanzielle Grundlage noch auf Bootsmaterial zurückgreifen. Mit Leihbooten versuchten sich die Frauen sofort auf den ersten Nachkriegsregatten, die auf dem Kleinen Wannsee ausgetragen wurden. Den ersten Sieg errangen unsere Vereinsgründerinnen selbst im Doppelvierer mit Steuerfrau.

1948 gab die Militärregierung die beschlagnahmten Bootshäuser zurück, der Verein wurde in ein völlig leeres Bootshaus am großen Wannsee eingewiesen. Jedes Mitglied musste zur Möblierung beitragen.

1950 musste wieder umgezogen werden, nun in den nahen Wannseehafen. Es war fast noch einmal ein Neuanfang, und für 19 Jahre sollte dieser Standort auch beibehalten werden. Der Steg konnte nur für Gigboote benutzt werden, die Rennboote wurden barfuss aus der Bootshalle direkt bis in den Wannsee getragen. Von 1950 bis 1963 löste Hanna Presch die bisherige 1. Vorsitzende ab. Schwerpunkt ihrer Arbeit war das Bestreben für einen guten Bootspark zu sorgen. 1950 wurde die Deutsche Meisterschaft im Doppelvierer mit Steuerfrau im Stilrudern errungen. Die größte Stärke des FRCW wurde aber das Rennrudern. Die Felder der Frauenrennen waren stets sehr groß, denn es fanden noch gesamtdeutsche Regatten statt.

1958 konnte bereits der 130. Sieg für den FRCW gezählt werden. Natürlich kamen auch magere Rennruderjahre. Dafür stand die Wanderruderei im Vordergrund.

1961 beschränkte der Mauerbau unsere sportlichen Betätigungen auf das westliche Berlin. Regatten und Wanderfahrten waren vorerst nur in Westdeutschland möglich.

1964 bis 1973 übernahm Christel Wallmann den Vereinsvorsitz. Ihre Bemühungen richteten sich nun vor allem auf eine bessere Unterkunft des Clubs mit dem Ziel, ein eigenes Bootshaus zu besitzen. Das Provisorium Wannseehafen war nicht mehr vertretbar.

1969 wurde eine neue Bleibe gefunden. Die Adresse lautete jetzt: Am Grossen Wannsee 46. Dort war ein Bootshaus entstanden, das noch nicht voll ausgenutzt war, so dass eine kleine Halle dem FRCW zur Verfügung stand. Die Annehmlichkeiten eines normalen Clublebens wirkten sich sofort auf den Sportbetrieb aus. Nach Erweiterung des Bootsparks stand der Gründung einer Kindergruppe nichts mehr im Wege. Vom Erfolg zeugen 70 Jugend-Siege in den Jahren 1969 bis 1976.

Aufmerksamkeit erregte Karola Kleinschmidt. 1971 wurde sie in die Nationalmannschaft geholt, für die sie 10 Jahre startete. Mit 114 Siegen, darunter sieben deutschen Meisterschaftstiteln, einer Bronzemedaille auf den Europameisterschaften 1972 und der Olympiateilnahme 1976 ist sie eine der erfolgreichsten Ruderinnen des FRCW.

1971 wurde auf dem genutzten Grundstück dem FRCW vom Bezirksamt Zehlendorf eine 1200 qm große Fläche bereitgestellt.

1973 trat eine neue Vorsitzende ihr Amt an. Karin Pagel löste Christel Wallmann ab, die sich nur noch ihren Aufgaben im Deutschen Ruderverband widmen wollte. Karin Pagel trieb den Bootshausbau voran. Viele Arbeitsstunden mussten von den Mitgliedern geleistet werden, bevor am 1.5.1975 die festliche Einweihung des neuen Bootshauses erfolgte.

1977 schloss sich der älteste deutsche Frauenruderclub, der Friedrichshagener-Damen-Ruder-Club v. 1901, dem FRCW an.

1978 wurde eine weitere Frau aus den Reihen des FRCW`s Mitglied der Nationalmannschaft: Kathrien Humpert. Sie errang u.a. 10 Deutsche Meisterschaftstitel.

Nach den sehr erfolgreichen Rennruderjahren (bis 1979 insgesamt 452 Siege) wurde die Trainingsgruppe im Club in den folgenden Jahren immer kleiner. Die Lücke im Trainingsbetrieb füllten sofort die Wanderruderinnen, insbesondere Doris Schwarz und Erika Mönnich, mit großen Aktivitäten aus. Noch heute wird von den erlebnisreichen Auslandsfahrten, z.B. nach Masuren, Frankreich und Israel geschwärmt. Unvergessener Höhepunkt war die Wanderfahrt auf Norwegens Fjorden. Neben dem Trainingsbetrieb, dem allgemeinen Rudern in der Woche und dem Wanderrudern sorgten schon seit langem andere Breitensportarten und Aktivitäten (Skilanglauf, Hallensport, Radfahren und Wandern) für ein ausgewogenes Clubleben.

1989 gewann Sabine Jurk den deutschen Meisterschaftstitel im Vierer ohne Steuerfrau.

1989 beginnt eine neue Epoche. Nach dem Fall der Berliner Mauer werden die ausgedehnten Seenlandschaften im wunderschönen Berliner Umland erkundet.

28. September 1991: Einweihung des Erweiterungsbaus des Bootshauses. Nachdem die Finanzierung gesichert war, konnte nach vielen Anstrengungen das Bauvorhaben abgeschlossen werden. Der Club hat nun ein kleines, aber sehr schmuckes Bootshaus.

1997 feierte der FRCW sein 50jähriges Bestehen. Der Vorsitzende des Deutschen Ruderverbandes lies es sich nicht nehmen, dem FRCW persönlich zu gratulieren.

2001 erinnerte der FRCW als Nachfolgerin des Friedrichshagener Damen- Ruder-Clubs v. 1901 an 100 Jahre Frauenrudern. Anlässlich der Gründung des ersten Frauenruderclubs vor 100 Jahren richtete der FRCW eine Sternfahrt mit diesem Motto aus. Durch Fotos aus jenen Tagen und das Tragen der damaligen Sportbekleidung wurde an die 100-jährige Tradition des Frauenruderns erinnert und der Tag war ein voller Erfolg.

2003 löste Carola Fengler Karin Pagel an der Vereinsspitze ab. Karin Pagel, die mehr als 30 Jahre die Geschicke des FRCW gelenkt hatte, wurde zum Dank von den Mitgliedern zur Ehrenvorsitzende des FRCW gewählt. Der Landessportbund Berlin verlieh ihr für ihre Verdienste die Ehrennadel in Gold.

2003 - 2006: Magdalena Schmude gewinnt für den FRCW die U 23 Meisterschaft (Eichkranz-Rennen) im Doppelzweier (i.Rgm) und kann gleiches 2004 im Einer wiederholen. Es erfolgt die Berufung in die Nationalmannschaft in der sie die nächsten 5 Jahre rudert. 2004 wird sie Weltmeisterin U23 im Einer,
2006 Weltmeisterschaftsdritte im Doppelvierer.

2007: Am 8. Mai wird der FRCW 60 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum mit einem Sommerfest im Juni. Der Club zählt jetzt 170 Mitglieder und kann auf 960 Siege zurückblicken.
Heike Stich ist mit 203 Siegen z.Zt. erfolgreichste Ruderin. Die langjährigen Bemühungen vom Potsdamer-Ruder-Club-Germania und uns, Eigentümer des gemeinsamen Pachtgrundstückes zu werden, sind beendet. Am 20. Juli 2007 wird der Kaufvertrag unterschrieben. Eine Vereinbarung zwischen beiden Vereinen regelt das Miteinander auf dem Grundstück, wo jeder Verein über seine vorher gepachteten Grundstücksteile als Sondernutzungsfläche verfügt. Durch eisernes Sparen in den Vorjahren und die große Spendenbereitschaft der Mitglieder, konnte die Kaufsumme für das 1563 qm große Grundstück aufgebracht werden. Der FRCW ist schuldenfrei.

2008: Nach fünf Jahren als 1. Vorsitzende kandidiert Carola Fengler nicht mehr für dieses Amt. Nachfolgerin wird Heike Stich.

Magdalena Schmude gehört der Nationalmannschaft an, die sich auf die Olympischen Spiele in Peking vorbereitet. Als Ersatzruderin für die Frauen-Riemenmannschaft nimmt sie im September an den Spielen teil.

2009: Der FRCW schließt sich mit seinen Kinder den Wannseelöwen an. Es handelt sich hier um einen Ruderclub der vor einigen Jahren vom Potsdamer-RC Germania und BRC Welle Poseidon gegründet wurde, damit ihre Kinderruderer/innen gemeinsam auf Regatten starten können. Stephanie Ochla ist die erste FRCW-Ruderin, die ihre Siege unter diesem Namen errungen hat.

Nachdem die finanziellen Anstrengungen des Grundstückskaufs vergessen sind, konnte nach 10jähriger Pause wieder ein Boot angeschafft werden. Ein Übungseiner erhielt den Namen "Ruth". Hiermit wurde Ruth Charlé, Clubgründerin, geehrt, die ihren 100. Geburtstag feiern konnte.

Friedrichshagener Damen-Ruder-Club von 1901 (FDRC)

Am 10. März 1901 gründeten vier Damen die erste Vereinigung von Frauen, die den Wunsch hatten zu rudern. Der Friedrichshagener Damen-Ruder-Club von 1901 entstand.
An Widerständen und pessimistischen Stimmen fehlte es nicht, denn damals gab es weder für das Sportleben im heutigen Sinne, noch für die sportliche Betätigung des weiblichen Geschlechts überhaupt Verständnis. Aller Ablehnung zum Trotz gingen diese vier Damen den beschrittenen Weg stetig weiter.
Die damalige Clubgründung galt der Geselligkeit und persönlichen Erholung, sportlichen Ergeiz kannte man noch nicht. Die ersten Jahre waren gekennzeichnet durch Sonntagsfahrten in aller Ruhe und Beschaulichkeit sowie durch viele gesellige Feste, durch die der Club von Anfang an eine sehr geachtete Stellung einnahm. Die Überschüsse dieser Feste dienten dazu, eine Bootsflotte anzuschaffen.

In der ersten Zeit gab es nur ledige aktive Mitglieder, denn diejenigen, die heirateten, mussten ausscheiden.

1912 wurde ein eigenes Bootshaus in Grünau am Teltowkanal gefunden. Damit begann nun ein sehr reger Ruderbetrieb, der mehr und mehr sportlichen Charakter annahm. Hinzu kam, dass sich inzwischen in Lübeck, Kassel, Breslau, Dresden sowie in Berlin weitere Frauenrudervereine gegründet hatten und damit die Möglichkeit zu gegenseitigem Wettkampf gegeben war.

1919 wurde der Deutsche Damen-Ruder-Verband gegründet, der bis zu seiner Eingliederung in den Deutschen Ruderverband 1933 die Belange der Ruderinnen vertrat und die Voraussetzungen zum wettkampfmäßigen Rudern schaffte. Auch hier waren die Mitglieder des FDRC sofort und stets an führender Stelle tätig.

Zu jener Zeit wurde das Stilrudern bevorzugt, das es heute nicht mehr gibt. Schnelligkeit war dabei nicht gefragt, sondern technisch gutes Rudern. Gewertet wurde nach Punkten. Doch dann machte auch das Rennrudern vor dem FDRC nicht halt, wenn auch der 2. Weltkrieg das Rudern natürlich sehr einschränkte.

1945: Wie in den anderen Rudervereinen auch, regte sich bald nach Kriegsende das Leben im FDRC wieder, zumal das Bootshaus die Kriegswirren einigermaßen gut überstanden hatte. Die alten Vereinsnamen durften zwar nicht geführt werden, aber unter 'Köpenick II' oder 'Fraternitas' war der FDRC stets mit erfolgreichen Mannschaften auf den Regatten zu finden.

Leider musste das Bootshaus in Grünau aufgegeben werden. Mitglieder aus dem Westteil der Stadt waren zudem im Osten unerwünscht. So wurde beschlossen, sich in Westberlin neu zu gründen. Unter der starken und weisen Führung Katharina Stanges gelang es, in Spandau in einer Holzbaracke Unterkunft zu finden und einen Neuanfang zu wagen.
1950 war der Tag der Wiedergründung (10. Mai), nun wieder unter dem alten Namen Friedrichshagener Damen-Ruder-Club von 1901'. Schnell wuchs Bootspark und Mitgliederzahl. Die Renn- und Stilrudermannschaften konnten bis 1971 128 Siege verbuchen.

In den 60er Jahren ließ dann der Trainingsbetrieb im FDRC langsam nach, Nachwuchssorgen, auch das inzwischen überholungsbedürftige Domizil führten dazu, dass
1977 schweren Herzens die ca. 30 Ruderinnen unter ihrer damaligen Vorsitzenden Käthe Weigel beschlossen, den FDRC aufzulösen und sich dem FRCW anzuschließen.